Jeden Morgen trinken achtzig Prozent der Weltbevölkerung ein Neurotoxin, das ihr Gedächtniszentrum schrumpft. Die meisten nennen es Ritual. In Deutschland gibt es Selbsthilfegruppen für Alkohol, Heroin und Spielsucht. Für Koffein gibt es Hafermilch-Upgrades. Der Unterschied ist nicht pharmakologisch. Er ist kulturell. Wer morgens ohne Kaffee nicht funktioniert, hat keinen Kaffee-Mangel. Er hat eine Abhängigkeit, die sich als Persönlichkeit tarnt.
Ich lebe in einer Kultur, die mich gehirngewaschen hat. Die mir erzählt, Koffein sei harmlos, nicht vergleichbar mit Nikotin oder Alkohol. De facto ist die Wirkung nicht weniger verheerend, nur gesellschaftlich anschlussfähiger. Die Forschung hat den Mythos längst demontiert. Koffein erzeugt ein klinisch relevantes Abhängigkeitssyndrom, das die WHO als Störung anerkennt.1 Die neurobiologischen Kriterien sind identisch mit Alkohol- oder Nikotinsucht. Toleranz, Entzug, Kontrollverlust, fortgesetzter Konsum trotz Schaden.
Koffein wirkt über dieselben Belohnungspfade im Gehirn wie Kokain, Morphium und Amphetamin. Es löst Dopamin im Nucleus accumbens aus, dem Zentrum für Belohnung, Motivation und Sucht.2 Die neuroanatomische Übereinstimmung erklärt, warum ich selbst unter Leidensdruck nicht aufhören konnte. Ich habe Nierenschäden. Mein Hausarzt riet mir dringend, Kaffee strikt zu meiden. Ich konnte es nicht.
»Kaffee schützt vor Demenz« ist das pharmakologische Äquivalent zu »Rauchen hält schlank«. Stimmt technisch. Tote sind auch schlank. Tatsächlich lässt Kaffee genau das Hirnareal schrumpfen, das bei Alzheimer zuerst stirbt.3 Die Rechnung ist nicht kompliziert, nur unbequem.
Koffein passiert die Plazenta. Das Kind trinkt mit. Es kann nur noch nicht protestieren. Weder die Plazenta noch der Fötus verfügen über die Enzyme, um Koffein abzubauen. Während der Körper der Mutter die Substanz verstoffwechselt, ist der Kreislauf des Ungeborenen schutzlos ausgeliefert. Die erste Tasse trinkt die Mutter. Die letzte vergisst sie, wer das Kind war. Die Dosis heißt »moderat«. Die Langzeitfolgen heißen »nicht abschließend erforscht«. Das Kind trägt die Folgen. Vermindertes Wachstum, niedriges Geburtsgewicht, erhöhtes Risiko für Fehlgeburt.4
Am 20. Januar 2026 veröffentlichte ich hier einen Text über Kaffee. Achtzehn Fußnoten. Eine geschlossene Beweiskette.5
Dann ein Kommentar.
Ein Mann schrieb, Koffein habe »laut seinen Infos« positive Wirkung aufs Gehirn. Ob ich »andere Informationen« hätte. Sechs Stunden Abstand zum Schlaf, maximal vier Espressi, meist zwei bis drei. Er hatte Regeln. Er hatte ein System. Er hatte meinen Text nicht gelesen.
Der Reflex »aber hat doch auch positive Effekte« ist klassisches motivated reasoning. Die richtige Dosierung erklärt nicht, warum dieselben Menschen ohne Koffein unterperformen. Was als Wirkung erscheint, ist fast immer Entzugsumkehr. Regeln geben Kontrollgefühl. Sie ändern nicht die Physiologie.
Er wich aus. Plötzlich ging es nicht mehr um Performance, sondern um »langfristige Neuroprotektion«. Demenz, Alzheimer, Parkinson. Die Datenlage sei »eher positiv«, Störfaktoren seien ihm »völlig klar«, er selbst merke »keinen Unterschied«, wenn er keinen Kaffee trinke — was regelmäßig vorkomme, weil er »nur trinke, wenn es ihm schmeckt«. Und was den Schlaf angehe: mit ausreichend Abstand sei ein negativer Effekt »nicht zwangsläufig gegeben — zumindest nicht pauschal für alle«.
Wer von einer Droge abhängig ist, wird blind, sobald er über sie nachdenken soll. Alles, was dieser Mann schrieb, diente dem Zweck, seine Sucht zu rationalisieren. Nicht der Frage, ob sein Konsum schädlich ist.
»Kaffee schützt vor Demenz« ist kein Befund, sondern ein epidemiologischer Mythos, entstanden aus verzerrten Beobachtungsstudien, weitergereicht als Kausalität. Die beste Evidenz (Mendelian Randomization) findet keinen neuroprotektiven Effekt. Wenn der Schutz real wäre, müsste er genetisch sichtbar sein. Ist er nicht.6
Und der Teil, den die »sechs Stunden vorher«-Religion gern übergeht: Koffein verschlechtert Schlaf objektiv messbar. Auch bei Gewohnheitskonsum. Auch bei sechs Stunden Abstand. Nicht gefühlt, gemessen.7 Schlaf ist keine Wellness-Idee. Schlaf ist Reparatur. Fragmentierter Tiefschlaf ist mit Demenzrisiko assoziiert. »Neuroprotektion« ist ein Mechanismus-Claim. Adenosinblockade ist kein Schutz, sondern akute Stimulation. Langfristig kommt Toleranz: mehr Rezeptoren, mehr Schlafdruck, mehr Fragmentierung. Systemstress, nicht Hirnrettung.8
Dann löschte er seine Kommentare. Dann blockte er mich. Wer die Realität nicht widerlegen kann, läuft weg. So macht das ein süchtiges Gehirn, wenn man ihm die Ausflucht nimmt. Ich bedrohte sein Weltbild. Also musste ich verschwinden.
Seit Jahrzehnten verkauft die Industrie dieses dümmliche Märchen, Kaffee wirke neuroprotektiv. Die Hirnforschung und genetische Kausalitätsstudien lassen dieses Kartenhaus zusammenbrechen.
Kaffee lässt das Gedächtniszentrum schrumpfen. Lin, Reichert und Kollegen zeigen, dass täglicher Koffeinkonsum — ähnlich wie bei Nikotin9 — sichtbare Volumenverluste der grauen Substanz im Hippocampus bewirkt.10 Eine MR-Studie mit über 33.000 Teilnehmern bestätigt den kausalen Zusammenhang auf Populationsebene.11 Park und Kollegen zeigen, dass lebenslanger Kaffeekonsum bei älteren Menschen mit erhöhtem Volumen weißer Substanzläsionen assoziiert ist.12 Der Hippocampus ist das erste Areal, das bei Alzheimer abstirbt. Ein verkleinerter Hippocampus ist ein zentraler Risikomarker für Demenz.
Larsson und Orsini fanden zudem Hinweise, dass ein höherer Koffeinstoffwechsel die exekutive Leistung verschlechtert. Der Schwindel, Kaffee schütze vor Demenz, ist damit wissenschaftlich entkräftet.13
Dann senkt Koffein den Blutfluss im Gehirn, und zwar um dreißig Prozent.14
Der entscheidende Faktor aber ist Schlaf. Das Gehirn reinigt sich nachts von Alzheimer-Toxinen (Beta-Amyloid). Alzheimer entsteht durch Ablagerung von Beta-Amyloid. Diese Plaques werden ausschließlich im Tiefschlaf weggespült (glymphatisches System).15 Tiefschlaf ist somit die einzige Möglichkeit, sich vor Alzheimer zu schützen.
Koffein verhindert Tiefschlaf.
Shokri-Kojori und Kollegen zeigten, dass schon eine Nacht Schlafentzug die Toxin-Last im Gehirn signifikant erhöht.16 Da Kaffeetrinker chronisch schlechteren Tiefschlaf haben17, führt der Konsum logisch zwingend zur Ansammlung von Demenz-Auslösern. Wer sich wach hält, hält den Müll im Kopf.
Dieser Mann, der sich aus der Debatte löschte, verteidigte sein Selbstbild, nicht seine These. Er hat Kaffee einen Platz im Alltag gegeben, Regeln entwickelt, die Kontrolle vorgaukeln, und eine zurechtgelegte Überzeugung: Meine Substanz ist okay, weil ich sie vernünftig nutze. Mein Text zerstörte seine Konstruktion. Ihn zu lesen hätte existenzielle Kosten für ihn gehabt. Er müsste handeln, nicht argumentieren. Gehirne sind exzellent darin, Veränderung zu blockieren. Also überfliegt er meinen Text, greift ein vertrautes Muster und insinuiert Zweifel: Hast du andere Infos?
Das ist kein Erkenntnisinteresse, sondern Fluchtreflex. Er will das Gespräch zurück in vertrautes Terrain ziehen.
Der Bias nervt, denn ich habe keine Meinung dargelegt, sondern eine geschlossene Beweiskette. Dieser Mann reagiert, als wäre Biologie verhandelbar. Ich habe gerade die Statik des Gebäudes erklärt, und er fragt, ob Holz auch stabil sein kann. Wer nach achtzehn Fußnoten noch fragt, ob ich andere Infos habe, sucht keine Wahrheit. Er sucht Beruhigung.
Ich bin nicht hier, um Süchtige zu beruhigen.
Wer süchtig ist, debattiert nicht. Ein Hirn auf Koffein verteidigt nicht die Wahrheit, sondern den Nachschub. Kritik an der Substanz wird vom Gehirn wie ein Angriff auf die eigene Integrität gewertet. Fakten, die den Konsum infrage stellen, prallen ab oder erzeugen Aggression. Anosognosie nennt man das in der Forschung: das krankhafte Unvermögen, die eigene Störung und ihre Konsequenzen realistisch einzuschätzen. Das Gehirn filtert Informationen so, dass der Konsum logisch erscheint. Gegenteilige Beweise werden ausgeblendet. Wenn er die kognitive Dissonanz nicht aushält, bricht er den Dialog ab. Sein Löschen der Kommentare war die digitale Form von Hände auf die Ohren halten und laut singen. Um das interne Gleichgewicht (die Sucht) zu retten, musste er den externen Störfaktor eliminieren (mich und die Fakten). Keine Sucht überlebt den Kontakt mit der Wahrheit. Sie brennt wie Weihwasser.
Goldstein und Kollegen wiesen nach, wie die Krankheitseinsicht bei Süchtigen hirnorganisch gestört ist (Impaired Insight). Jene Hirnareale, die für Selbstwahrnehmung (Insight) zuständig sind (Insula, ACC), sind bei Sucht entkoppelt. Der Süchtige kann nicht sehen, dass er ein Problem hat, und konstruiert stattdessen rationalisierende Scheinwelten, um die Diskrepanz zwischen Realität und Suchtverhalten aufzulösen. Er konstruiert rationalisierende Scheinwelten, um die Kluft zwischen Realität und Verhalten aufzulösen — selbst wenn er das gar nicht will.18
Sucht ist keine Charakterschwäche. Kein fehlender Wille. Kein Versagen. Weil Charakter, Wille, Selbstsein in der Sucht nicht verfügbar sind. Der präfrontale Kortex — Sitz der Ich-Kontrolle — ist bei Süchtigen vom Rest des Gehirns abgekoppelt. Wille ist physikalisch nicht abrufbar. Die Leitung ist erodiert.19
Ich ist ein anderer.
Süchtiges Fühlen und Denken ist ein geschlossenes Rückkopplungssystem. Das Gefühl ist nicht neutral. Ich laufe nicht im Kreis, weil ich dumm wäre, sondern weil der Kreis chemisch stabilisiert ist.20
Der Mann, der mich blockte, hat keine Debatte verloren. Er hat ein Fenster zugemauert. Es verteidigte den Nachschub gegen die Wahrheit.
Wie jedes Suchtmittel, verändert Kaffee die Persönlichkeit grundlegend. Kaffee ist Treibstoff für eine soziale Maske. Statt mich zu zeigen, spiele ich eine Rolle. Eine schwarze, glatte Wand entsteht, an der echte Gefühle abprallen. Ich spüre mich und andere nicht mehr. Ich bewerte andere, verwandle mich in einen Sortierer. Koffein erhöht dosisabhängig die Werte für Feindseligkeit und Angst.21
Wer unter Strom steht, sieht im Gegenüber keinen Menschen, sondern einen Reiz, der bewältigt werden muss. Begegnung wird schwer. Plauderei funktioniert, Tiefe nicht. Ich fühle mich wichtig, aber aufgeblasen. Eine polierte Fassade, während die Substanz angegriffen wird. Der Körper interpretiert soziale Situationen unter Koffein als Bedrohung, das Herz hämmert, die Stressantwort schießt hoch.22 In diesem Zustand ist Empathie biologisch unmöglich, nur noch Bewertung.
Das erste Opfer ist die Konzentration. Ich kann nicht bei einer Sache bleiben. Ich verzettele mich, werde sprunghaft. Ich reagiere schneller, urteile schlechter.23
Gleichzeitig blockiert Koffein die Nährstoffaufnahme. Eine Tasse Kaffee zum Essen reduziert Eisenaufnahme um rund vierzig Prozent, starker Kaffee um bis zu neunzig Prozent.24 Koffein entzieht dem Körper die Basis für Hämoglobin-Produktion und Sauerstofftransport.
Kaffee schaltet die Sirene aus. Ich lebe wie auf Zehenspitzen. Danach falle ich unter Null. Ich werde schläfriger, griesgrämiger, stumpfer. Um wieder auf Null zu kommen, greife ich zum Kaffee. Geliehene Energie zum Wucherzins.25
Nur ein Kaffee und sonst nichts ist die Lüge, die alles zusammenhält. Ich betrachte Müdigkeit als Feind, den ich bekämpfen muss. Reparatur ist unbequem, weil sie Geschwindigkeit kostet. Also überschütte ich sie mit Kaffee und nehme mir die Möglichkeit, aus der Schleife auszusteigen.
Der Punkt, an dem sich die Schleife öffnet, liegt nicht in der Willenskraft. Mein Wille als Süchtiger ist ja gerade das, was ich nicht will. Ich will meinen Willen nicht wollen, weil er aus falschem Denken und Fühlen erwächst. Die Schleife öffnet sich, wo ich die Müdigkeit nicht mehr bekämpfe. Müdigkeit zu bekämpfen ist der Schalter, der meinen Körper zu Notlösungen zwingt, und diese sind immer zerstörerisch. Entweder ich akzeptiere das vorübergehende Leistungsdefizit, oder ich sabotiere mich so lange, bis ich zu gar nichts mehr zu gebrauchen bin. Beides geht nicht.
Der Körper heilt nicht unter Druck. Es gibt keinen gesunden Kaffeekonsum, ebenso wenig wie eine gesunde Untergrenze für Alkohol oder Nikotin. Das ist nur das kulturelle Narrativ, die mir das Gegenteil verkaufen will, während mein Körper schon nach einer Tasse zu schreien anfängt. Selbst moderater Konsum verengt die Blutgefäße im Gehirn massiv. Was Leute als Wachheit empfinden, ist meist nur die physiologische Reaktion auf eine gedrosselte Sauerstoffzufuhr.26
Koffein über grünen Tee zuzuführen, ist derselbe Selbstbetrug in grün. Dem Adenosin-Rezeptor ist die Farbe des Getränks egal. Das Molekül bleibt identisch.27 Polyphenole neben Koffein machen es nicht gesünder, genauso wenig wie Polyphenole im Rotwein den Alkohol neutralisieren.
Müdigkeit ist nicht der Gegner. Sie ist der Preis der Reparatur, Eintrittskarte zu Wachheit ohne Koffein. Ich kann sie nicht löschen ohne Schaden. Müdigkeit ohne Kaffee ist ein biologisches Stoppsignal. Der Organismus signalisiert Reparaturbedarf. Kaffee antwortet darauf mit Körperselbstverachtung und sagt: Funktionier weiter.
Kaffee hält das System im Alarmzustand. Alarm macht Essanfälle. Essanfälle machen Entzündungen. Entzündungen machen Müdigkeit. Müdigkeit verlangt Kaffee. Raus komme ich nicht durch Stärke, sondern durch Struktur. Kein Entscheiden, keine Verhandlungen mit dem Sucht-Ich. Heilung beginnt jenseits des Denkens. Während des Entzugs darf ich nicht entscheiden. Das bedeutet immer Eskalation. Alles, was geht, vorbereiten, vereinfachen, automatisieren. Nicht erklären, nicht grübeln.28
Wachheit kann man erzwingen, Ruhe muss man ertragen. Der Übergang fühlt sich nach Kontrollverlust an. In Wahrheit ist er Kontrolle. Heilung und Antreiben schließen sich aus. Loslassen und Funktionieren auch. Echte Energie kommt leise zurück. Langsam ist der Preis für dauerhaft. Dieser Preis ist endlich.
Die Schleife ist es nicht.
Redaktioneller Hinweis: Die Quellen zu diesem Text sind Goldstandard. Es handelt sich fast durchweg um Landmark Studies aus Journals mit hohem Impact Factor.Steven E. Meredith, Laura M. Juliano, John R. Hughes, and Roland R. Griffiths, »Caffeine Use Disorder: A Comprehensive Review and Research Agenda«, in: Journal of Caffeine Research, Vol. 3, Issue 3, September 2013, 114—30.
Die Dopaminfreisetzung erfolgt in der Schale (Shell) des Nucleus accumbens. Dort wirken auch Kokain, Morphium und Amphetamin.
Koffein blockiert Adenosin-Rezeptoren und hebt dadurch indirekt die Dopamin-Bremse auf, während Kokain direkt in den Dopamin-Stoffwechsel eingreift. Das Ergebnis ist das gleiche.
Meredith et al. 2013.
Yu-Shiuan Lin, Janine Weibel, Hans-Peter Landolt, et al., »Daily Caffeine Intake Induces Concentration-Dependent Medial Temporal Plasticity in Humans: A Multimodal Double-Blind Randomized Controlled Trial«, in: Cerebral Cortex, Vol. 31, Issue 6, 10.05.2021, 3096—3106.
Doppelblind, randomisiert, Crossover-Design: zehn Tage Koffein (3 × 150 mg/Tag) bewirken signifikante Volumenreduktion der grauen Substanz im medialen Temporallappen einschließlich des Hippocampus.
Heckman et al. 2010; Meredith et al. 2013.
Koffein
Achtzig Prozent der Menschheit zerstören täglich ihren Schlaf, um die Müdigkeit zu bekämpfen, die dadurch entsteht. Man trinkt, um normal zu werden. Ohne Substanz wäre man es schon. Jede Tasse stiehlt Tiefschlaf. Weniger Tiefschlaf bedeutet mehr Brain Fog. Mehr Brain Fog bedeutet mehr Kaffee. Man trinkt, um ein P…
Kein protektiver Effekt auf kognitive Funktion, MR:
Ang Zhou, Amy E. Taylor, Ville Karhunen, et al., »Habitual coffee consumption and cognitive function: a Mendelian randomization meta-analysis in up to 415,530 participants«, in: Scientific Reports, Vol. 8, Issue 1, 14.05.2018, Artikel 7526.
Konstance Nicolopoulos, Anwar Mulugeta, Ang Zhou, Elina Hyppönen, »Association between habitual coffee consumption and multiple disease outcomes: A Mendelian randomisation phenome-wide association study in the UK Biobank«, in: Clinical Nutrition, Vol. 39, Issue 11, 3467—76.
Drake et al. 2013 — auch sechs Std. vorher signifikant weniger Schlaf.
Gardiner et al. 2023 — geringere Schlafeffizienz, weniger Schlaf, schlechtere Architektur.
Rogers 2014; Rogers et al. 2012; Addicott-Laurienti 2009.
Dass Nikotin vergleichbare Hirnschäden verursacht, ist durch Kohortenstudien und genetische Kausalitätsanalysen belegt.
S. Karama, S. Ducharme, J. Corley, et al., »Cigarette smoking and thinning of the brain’s cortex«, in: Molecular Psychiatry, Vol. 20, Issue 6, 10.02.2015, 778—85.
Yoonhoo Chang, Vera Thornton, Ariya Chaloemtoem, et al., »Investigating the Relationship Between Smoking Behavior and Global Brain Volume«, in: Biological Psychiatry: Global Open Science, Vol. 4, Issue 1, 06.10.2023, 74—82.
Wenjuan Lin, Lisheng Zhu, Yunlong Lu, »Association of smoking with brain gray and white matter volume: a Mendelian randomization study«, in: Neurological Sciences, Vol. 44, Issue 11, November 2023, 4049—55.
Lin et al. 2021.
Bing-Kun Zheng, Peng-Peng Niu, »Higher Coffee Consumption Is Associated With Reduced Cerebral Gray Matter Volume: A Mendelian Randomization Study«, in: Frontiers in Nutrition, Vol. 9, 17.03.2022, Artikel 850004.
Jeongbin Park, Ji Won Han, Ju Ri Lee, et al., »Association between lifetime coffee consumption and late life cerebral white matter hyperintensities in cognitively normal elderly individuals«, in: Scientific Reports, Vol. 10, Issue 1, 16.01.2020, Artikel 421.
Susanna C. Larsson, Nicola Orsini, »Coffee Consumption and Risk of Dementia and Alzheimer’s Disease: A Dose-Response Meta-Analysis of Prospective Studies«, in: Nutrients, Vol. 10, Issue 10, 14.10.2018, Artikel 1501.
≈ 30 % nach ~250 mg, gemessen per PET. Oliver G. Cameron, Jack G. Modell, M. Hariharan, »Caffeine and human cerebral blood flow: A positron emission tomography study«, in: Life Sciences, Vol. 47, Issue 13. 1990. 1141—6.
Bestätigt in einer randomisierten Crossover-Studie am Menschen: Schlaf steigert die glymphatische Clearance von Amyloid-Beta und Tau ins Plasma, Schlafentzug reduziert diesen Prozess signifikant.
Paul Dagum, Donald L. Elbert, Laurent Giovangrandi, et al., »The glymphatic system clears amyloid beta and tau from brain to plasma in humans«, in: Nature Communications, Vol. 17, 27.01.2026, Artikel 715.
Ehsan Shokri-Kojori, Gene-Jack Wang, Corinde E. Wiers, et al., »β-Amyloid accumulation in the human brain after one night of sleep deprivation«, in: PNAS, Vol. 115, Issue 17, 24.04.2018, 4483—8.
Drake et al. 2013; Gardiner et al. 2023.
Rita Z. Goldstein, A. D. (Bud) Craig, Antoine Bechara, et al., »The Neurocircuitry of Impaired Insight in Drug Addiction«, in: Trends in Cognitive Sciences, Vol. 13, Issue 9, September 2009, 372—80.
Rita Z. Goldstein, Nora D. Volkow, »Dysfunction of the prefrontal cortex in addiction: neuroimaging findings and clinical implications«, in: Nature Reviews Neuroscience, Vol. 12, 20.10.2011, 652—69.
Der Körper stabilisiert sich auf einem neuen Level, auf dem die Droge nötig ist, um sich normal zu fühlen (Allostase).
George F. Koob, Michel Le Moal, »Drug Addiction, Dysregulation of Reward, and Allostasis«, in: Neuropsychopharmacology, 01.02.2001, Vol. 24, Issue 2, 97—129.
Koffein erhöht messbar Feindseligkeit (Hostility) und Angst.
Dennis M. Veleber, Donald I. Templer, »Effects of caffeine on anxiety and depression«, in: Journal of Abnormal Psychology, Vol. 93, Issue 1, Februar 1984, 120—22.
Koffein verstärkt massiv die kardiovaskuläre Stressreaktion bei sozialen Interaktionen. Der Körper schaltet in Abwehrmodus.
James D. Lane, Robert A. Adcock, Redford B. Williams, Cynthia M. Kuhn, »Caffeine effects on cardiovascular and neuroendocrine responses to acute psychosocial stress and their relationship to level of habitual caffeine consumption«, in: Psychosomatic Medicine, Vol. 52, Issue 3, Mai 1990, 320—36.
Koffein beschleunigt Reaktionszeit, verbessert aber nicht die Genauigkeit (Speed-Accuracy Trade-off). Rogers et al. 2012.
T. A. Morck, S. R. Lynch, J. D. Cook, »Inhibition of food iron absorption by coffee«, in: The American Journal of Clinical Nutrition, Vol. 37, Issue 3, März 1983, 416—20.
Um es nochmal zu sagen: Koffein hebt die Stimmung nicht über Normalwert, sondern beseitigt nur die Entzugssymptome der letzten Dosis.
Jack E. James, Michael A. Keane, »Caffeine, sleep and wakefulness: implications of new understanding about withdrawal reversal«, in: Human Psychopharmacology: Clinical and Experimental, Vol. 22, Issue 8, Dezember 2007, 549—58.
Koffein reduziert zerebrale Durchblutung um 27 Prozent. Das ist massive Vasokonstriktion. Bei chronisch hohem Konsum zeigt sich eine eingeschränkte Kompensationsfähigkeit des Gefäßsystems. Es gibt keine sichere Untergrenze.
Merideth A. Addicott, Lucie L. Yang, Ann M. Peiffer, et al., »The effect of daily caffeine use on cerebral blood flow: How much caffeine can we tolerate?«, in: Human Brain Mapping, Vol. 30, Issue 10, 13.02.2009, 3102—14.
Koffein wirkt durch Blockade von Adenosin-Rezeptoren. Die chemische Struktur ist identisch, unabhängig von der Quelle (Kaffee, Tee, Guarana).
Bertil B. Fredholm, Karl Bättig, Janet Holmén, et al., »Actions of Caffeine in the Brain with Special Reference to Factors That Contribute to Its Widespread Use«, in: Pharmacological Reviews, Vol. 51, Issue 1, März 1999, 83—133.
Feste Wenn-Dann-Pläne delegieren Verhaltenskontrolle an die Umwelt und entlasten bewusste Entscheidungsprozesse. Automatisierung umgeht Verhandlung.
Peter M. Gollwitzer, »Implementation intentions: Strong effects of simple plans«, in: American Psychologist, Vol. 54, Issue 7, Juli 1999, 493—503.






Alles, was ich jetzt schreiben könnte, würdest du wohl als Suchtverteidigung bezeichnen.
Ich habe unterschiedliche Beobachtungen.
Vor 30 Jahren, in der Nachrichtenagentur, war ich auf Koffein - anderthalb bis zwei Liter pro Nachmittag war meine Dosis. Damit versorgte uns die Geschäftsleitung kostenlos, eine moderne Kaffeemaschine stand in der Redaktionsküche, auf Knopfdruck gab es jede erdenkliche Variante. Als ich meinen Job geschmissen habe, fing der Entzug an. Hätte nie gedacht, dass Koffein so süchtig machen kann. Irgendwann ging es ohne. Heute ist ein Espresso Medizin gegen aufziehende Migräne, aber er hilft nur dann, wenn ich sonst keinen Kaffee mehr trinke. Aus zwei Litern pro Tag sind mittlerweile zwei Liter im Jahr geworden. Und das ist gut so. Aber zu dieser Erkenntnis muss wohl jeder selbst kommen, das ist wie bei jeder Sucht.