Nikotin schreibt eine Leiche. Die Leiche läuft noch. Dreißig Mal am Tag dockt die Substanz an nikotinische Acetylcholinrezeptoren, löst Dopamin aus, erzeugt eine Minibelohnung, die so kurz ist, dass sie schon beim Ausatmen verfällt. Was bleibt, ist der nächste Hunger. Ein Belohnungssystem, das nie ankommt. Ein Gehirn, das seine eigene Stille nicht aushält und deshalb permanent den Kontext wechselt, permanent reagiert, permanent nach dem nächsten Reiz greift. Von außen sieht das aus wie Lebendigkeit. Energie. Kreativität sogar. Von innen ist es ein Organismus, der sich selbst verbrennt, um die Unruhe zu stillen, die er selbst erzeugt. Die Hülle funktioniert. Die Hülle plant, spricht, arbeitet, erscheint pünktlich. Was sie antreibt, ist kein Wille, nur die Reparatur eines Schadens, den die Substanz selbst anrichtet. Die Leiche läuft, weil sie nicht weiß, dass sie tot ist.
Niemand hört gern, dass er jahrelang nicht er selbst war. Dass der Charakter, den man sich zugeschrieben hat, eine Nebenwirkung war. Dass die Identität, an der man hängt, ein pharmakologisches Artefakt ist, das nach Teer riecht und nach Ausrede schmeckt. Der Irrtum ist zu glauben, man kenne sich selbst, während eine brennende Pflanze die Drehbücher schreibt.




