Manchmal muss man die Regel brechen, um sie einzuhalten. Wer das für eine Ausrede hält, kann es leicht testen. Man gebe einem Sprachmodell mal eine der größeren Passagen der Literaturgeschichte und bitte es, sie zu »optimieren«. Tolkiens Ringgedicht1 zum Beispiel über die Macht des Einen. Es enthält einen Satz, der eigentlich keiner ist:
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden2
Jede Schreibassistenz der Welt, jede Grammatik-App, jedes pedantische Korrektorat würde hier anschlagen.
Das ist unvollständig.
Das muss glattgezogen werden.
Da fehlt ein »um«.
So wäre aus einem Bannspruch eine Behörde geworden.
Handwerk sagt: Adjektive streichen, Passiv vermeiden, zeigen statt erklären, Füllwörter raus, Wiederholungen raus.
Alles richtig. Alles gefährlich.
Kunst ist nicht Regelgehorsam. Kunst ist zu wissen, wann Regeln den Text nicht mehr tragen.
Menschen können das. Maschinen nicht.



