Diskussion über diese Post

Avatar von User
Avatar von Patrick Hemminger

Ich würde hier sehr sauber trennen.

Ja, Fasten verändert Stoffwechselwege. Ja, Ketonkörper, Autophagie und osmotischer Stress sind reale biologische Phänomene – nur ist gerade der Nutzen der Autophagie beim Menschen fast ausschließlich aus Tier- und Zellmodellen abgeleitet, nicht aus klinischen Endpunkten. Und ja, es gibt kleine Studien zu Trockenfasten und tagesweisem religiösem Trockenfasten, die Marker-Veränderungen zeigen – die sich allerdings nach dem Fasten überwiegend wieder zur Ausgangslage zurückbewegen.

Aber aus diesen Daten folgt nicht, dass „Trinken die Heilung stoppt”. Es folgt auch nicht, dass Wasserfasten „kein richtiges Fasten” sei. Und schon gar nicht folgt daraus, dass Trockenfasten Krebs, Schizophrenie, Autoimmunerkrankungen oder Asthma zuverlässig behandelt.

Der Text springt ständig von Zellbiologie, Tiermodellen und sehr kleinen Pilotstudien zu großen Heilversprechen. Das ist wissenschaftlich nicht sauber. Eine Studie mit zehn Probanden ohne robuste klinische Endpunkte beweist keine allgemeine Sicherheit und keine therapeutische Wirksamkeit. Tagesweises Trockenfasten mit nächtlicher Rehydrierung ist außerdem etwas völlig anderes als mehrere Tage ohne Wasser.

Der entscheidende Punkt geht im Pathos unter: Selbst die möglichen Effekte des Fastens ließen sich mit Formen erreichen, bei denen man trinkt. Der Wasserentzug liefert keinen belegten Zusatznutzen – nur Zusatzrisiko: Dehydrierung, Nierenbelastung, Elektrolytentgleisungen.

Besonders problematisch finde ich die Aussagen zu Krebs und Psychiatrie. Hier geht es nicht um Wellness, sondern um Menschen in verletzlichen Situationen. Wer behauptet, moderne Medizin schade vor allem aus Profitinteresse und Trockenfasten sei „das erste und letzte Heilmittel”, verlässt den Boden nüchterner Evidenz.

Man kann Fasten spannend finden. Man kann die Forschung dazu ernst nehmen. Aber gerade dann muss man vorsichtig formulieren: mögliche Mechanismen, frühe Hinweise, kleine Studien, offene Fragen. Nicht: Heilversprechen, Systemanklage, Wasser als Sabotage.

Das ist mir zu viel Pathos und zu wenig klinische Evidenz.

Avatar von Sabine Folsom

Vielen Dank für diese Informationsdichte. Wo finde ich die beste Anleitung, dies zu tun? So als Anfänger?

Ich habe bisher nur Wasserfasten gemacht. Allerdings habe ich davor schon ketogen gegessen, so daß ich vorab durch die "Grippe" ging, bevor das eigentliche Fasten begann.

Benutzt du dann auch Glaubersalz o. ä. zu Beginn?

45 weitere Kommentare …

Keine Posts

Sind Sie bereit für mehr?