Die erbarmungslose Tyrannei der Fakten
Stellen wir uns vor, ich liege mit Fieber in einer mittelalterlichen Kammer. Der Arzt schlitzt meine Adern, träufelt Quecksilber in die Wunde, murmelt etwas über Körpersäfte. Kein Test, keine Daten, nur Aberglaube im Kittel. Heute schütteln wir den Kopf — weil wir wissen, was Evidenz heißt. Wir akzeptieren Blutbilder, randomisierte Studien, Metaanalysen. Horoskop-Therapien — nicht mal als Witz.
Die mittelalterliche Medizin operierte im Blindflug: Sie schnitt Adern auf, weil ›schlechte Säfte‹ dogmatische Phantome waren. Sie verabreichte Quecksilber gegen Syphilis und schuf Leichenberge aus Unwissen. Dieser Irrsinn endete nicht durch Moral, sondern durch die erbarmungslose Tyrannei der Fakten: Tote lassen sich nicht beschwichtigen.



