8 Kommentare
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Avatar von MemeMachine

Interessanter Text und spannende Punkte die du aufgreifst und abarbeitest.

Nutzt du Ki?

Ich finde das praktischste an Ki ist, das man ziemlich schnell, unterschiedliche Themen und dazu, die Literatur findet, für die man sich dann auch eher begeistern kann.

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Avatar von Ticro Goto

Du hast recht — KI findet alles, schnell und gründlich. Aber die Magie beginnt erst, wenn meine Geschichte, meine Wunden, meine Körpervorgänge und mein Nichtwissen etwas Unsichtbares ins Sichtbare heben. Das gebe ich nicht ab.

Ich bin nicht anti-KI. (Wer mein Buch "Cyberfakte" gelesen hat, weiß das.) Ich nutze KI als erweiterte Suchmaschine, oder für praktische Fragen im Alltag, die nichts mit dem Schreiben zu tun haben. Aber ich habe Epilepsie, und seit ich vierzehn bin, ist Schreiben das Einzige, was zwischen mir und dem Notausgang steht.

Ich schreibe unaufhörlich, weil Schreiben der einzige Zustand ist, in dem ich denken kann. Es ist die letzte Arterie, die mich mit dem Leben verbindet. Durchtrenne ich sie, fließt alles Wesentliche aus. Es ist mein Antidot gegen den neuronalen Kollaps. Meine Texte an eine KI zu delegieren, käme daher einem Selbstmord gleich.

Dreimal lag ich schwerkrank, mein Gehirn und mein Rückenmark hatten sich entzündet, die Ärzte sagten, ich würde dumm und behindert, und die Schmerzen waren unsagbar. Dann schrieb ich, Wort für Wort, wochenlang, suchte im Schwarz nach meinem Ich, meinem Geist. Ich schrieb so lange, bis meine Denkfähigkeit zurückkehrte. Ich hatte alles verloren, schreibend baute ich mich neu, Zelle für Zelle, Synapse für Synapse.

Für die Ärzte bin ich ein medizinisches Rätsel — ich lebe noch. Durch Schreiben bekomme ich Sauerstoff, kann atmen. Wenn ich schreibe, kämpft mein Gehirn nicht gegen sich selbst.

Das eigene Gehirn ist das beste Sprachmodell, das es je geben wird. Es läuft seit 200.000 Jahren, personalisiert durch Wunden, Lücken, Unfertigkeit. Es träumt, statt zu halluzinieren. Es heilt durch Narben und Zweifel. Es ist mit genau den richtigen Daten trainiert: dem eigenen Leben.

Ich wünschte, ich wäre flexibler, aber für die Texterzeugung nutze ich nur drei Werkzeuge: meinen Füllfederhalter, mein Notizbuch, mein Gehirn.

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Avatar von MemeMachine

Beeindruckender persönlicher Bezug den du zum schreiben hast.

Sobald meine Lese-Warteschlange wieder einstellig wird, denke ich werde ich es mir anschauen. (Mit ca. 150 Seiten ja auch sehr angenehme Länge, wobei Qualität und Seitenzahl zwei paar Schuhe sind).

Ich denke die eine oder andere Frage wird dann dort beantwortet deswegen erstmal nur eine Anmerkung und eine Frage.

Ich habe es zwar so verstanden, dass du vor einer Überanwendung/Fokussierung auf Denkmustern warnst und nicht von fertigen Denkmustern per se. Dennoch die Anmerkung, das ich in meinem Beruf gelernt habe, das man zwar letztlich mit jeden Hammer klopft, aber man für ein gutes Ergebnis eine Vielzahl an Hämmer braucht und es darauf ankommt deren Grenzen und Anwendungsmöglichkeiten zu kennen, und die Häufigkeit der Benutzung zweitrangig ist.

Also selbst wenn ich bei 8/10 Aufgaben denselben Hammer benutze, solange ich im richtigen Moment den Hammer Wechsel trägt die häufige Nutzung des ersten nur positiv zum Ergebnis bei, genauso wie der Wechsel für die letzten 2 Aufgaben.

Miene Frage bezieht sich auf die Manipulation durch Wiederholung:

Siehst du da einen Unterschied zu dem was Kultur selbst ist? Menschen handeln und wenn das handeln anschlussfähig ist, dann wiederholen sie die Handlung. Ist es anschlussfähig genug, wiederholen es auch andere. Wiederholen genug Leute die gleiche Handlung nennen wir es Tradition oder Kultur.

Niemand plant das, aber das was funktioniert bleibt. Und was bleibt, beeinflusst uns.

Ich würde zustimmen das KI das verstärkt was bleibt weil es spiegelt und nicht erfindet, dennoch ist das doch nichts neues, vielleicht eine größer werdende Gefahr aber eben keine neue, oder?

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Avatar von Ticro Goto

Du hast völlig recht — ein guter Handwerker kennt viele Werkzeuge und weiß, wann er welches benutzt. Das Problem entsteht erst, wenn ein Werkzeug so verfeinert wird, dass es für alles geeignet zu sein scheint. Dann verlieren wir das Gespür dafür, wann wir eigentlich eine Säge bräuchten.

Aber deine grundsätzlichere Frage — ob KI wirklich etwas anderes tut als Menschen — hat mich dazu gebracht, in meinem neuen Essay ("Adas Alptraum") über KI und Kreativität einen zusätzlichen Abschnitt hinzuzufügen. Die Antwort ist: Ja, es ist fundamental anders. Menschen wiederholen nie einfach. Selbst wenn sie glauben zu wiederholen, verwandeln sie unwillkürlich.

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Avatar von MemeMachine

Da Stimme ich dir zu und denke wir haben eigentlich auch keinen Dissens.

Ich habe eine weile nachgedacht über verschiedene Wertlehren, deren Gemeinsamkeiten im anerkennen menschlicher Schöpfungskraft und wie aus dieser erst Zeit entsteht etc.

Bin nun aber zu dem Schluss gekommen das hier erstmal nicht zu schreiben, auch weil dein persönlicher Bezug meine Lesart deiner Texte verändert hat. (Im positiven Sinne, in form von weniger als Kritik an etwas und mehr als persönlicher Selbstausdruck, als Schöpfungsereignis).

Mit Hilfe deines neuen Textes habe ich auch etwas über die Grenze zwischen KI und Mensch nachgedacht und es erstmal so formuliert.

"Das Verstehen einer Beschreibung eines Momentes kann nicht zeitgleich mit dem Moment geschehen, obwohl die Beschreibung des Momentes zeitgleich mit dem beschriebenen Moment geschehen kann."

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Avatar von Viktoria Vokrri

Ein toller Denkanstoß, danke dafür! Ich nutze KI beinahe täglich und ausgiebig und im aktuellen Zustand finde ich es großartig, um nervige und repetitive Aufgaben mittelmäßig gut zu erledigen. Wir sind noch entfernt von tatsächlicher, künstlicher Intelligenz, die eigene Denkvorgänge absolvieren kann.

Ich frage mich (als jemand der kein KI Experte ist) aber regelmäßig, welche Rückschlüsse eine künstliche Intelligenz wohl zieht, die mit Datensätzen trainiert wird, die den durchschnittlichen Bias der vorwiegend programmierenden Demografie reproduziert. Auch mit diesem Ausblick, finde ich deine Ansätze sehr interessant.

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Avatar von Stev

Vielen Dank für diese aus meiner Sicht wahnsinnig guten Denkanstoß!

Ich nutze KI hin und wieder beruflich. Es kann schlichtweg bereits vorhandenes Material schnell zusammenfassen und auch neu strukturieren.

Aber es ist wie du schreibst: Es entsteht nicht wirklich was Neues!

Zukünftige Szenarien oder Pläne mit Hilfe von KI beruhen auf Vergangenheitsdaten.

Intuition ist etwas, was wir Menschen, zumindest aus meiner Sicht, den Maschinen immer voraus haben werden. Intuition kann Neues bringen, fern jeder kognitive Analyse oder vorherrschender Theorie.

Die Frage ist nur: Wie stärken wir unser Vertrauen in unsere Intuition, in Anbetracht der jüngsten technischen Entwicklungen. (Z.B. Kein Mailprogramm neuer ohne KI „Unterstützung.“)

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Avatar von Slaven Zubak

Spannend !!

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