In Deutschland sterben jedes Jahr Kinder an Krebs. Weil die Heilung gratis ist. Ihre Eltern löffeln ihnen den Tumor in den Mund, und die Ärzte schauen zu. Die Kinder sterben leitlinienkonform.
Ein Kind, das in zwei Wochen geheilt werden könnte, zahlt nicht einmal eine Wasserrechnung. Ein Kind, das in zwei Jahren stirbt, ist hunderttausend Euro wert. Die deutsche Onkologie entscheidet sich jeden Tag. Nichtstun lässt sich nicht verkaufen. Was sich nicht verkaufen lässt, existiert nicht als Therapie.
Seit hundert Jahren weiß man, was Krebszellen tötet. Die Evidenzkette reißt am Geld. Fasten lässt sich nicht patentieren. Fasten kann der Patient allein. Der Arzt verdient nichts daran. Selbst wenn das Geld da wäre, bliebe das Selbstbild der Onkologie im Weg. Sie betrachtet sich als Interventionsmedizin. Handeln heißt behandeln. Einem Krebspatienten das Essen wegzunehmen, sieht nach Mord aus.
Und negativ besetzt ist der Hunger. Füttern ist Fürsorge, selbst wenn es der Krebs ist, der gefüttert wird, selbst wenn Füttern tötet. Wie das Lächeln einer Mutter, die ihr Kind in den Hochstuhl schnallt. Dieser Instinkt ist ein kulturelles Artefakt. Er tötet.
Und selbst wenn ein Arzt bereit wäre, stünde er ohne Leitlinie da. Wer einen Patienten mit Chemo hinrichtet, handelt nach Vorschrift. Wer ihm das Leben rettet, indem er ihn anweist, trockenzufasten, steht allein.
Und auch wenn das Recht sich änderte, bliebe ein Abgrund. Wenn Trockenfasten hilft, impliziert das, dass Essen schadet. Dass der ganze ausgewogene DGE-konforme Abfall aus dem Supermarkt den Körper zerstört. Dass wir uns den Krebs angegessen haben und ihn unseren Kindern vererbt. Und das ist politisch untragbar.
Weil das heißt, dass ich verantwortlich bin.
Und selbst wenn all das aussprechbar wäre, bliebe das Wort selbst. Fasten meinte über Jahrtausende, weder zu essen noch zu trinken. So fasten Muslime im Ramadan. So fasten Juden an Yom Kippur. So fasteten Christen bis ins Mittelalter. Die Medizin hat das Wort umgedeutet. Seitdem heißt Fasten: Wasser kippen. Die stärkere Methode ist im Wort verschwunden. Wer Trockenfasten sagt, wird zum Ärgernis. Als hätte man Suizid vorgeschlagen. Wer Wasserfasten sagt, erzeugt Zustimmung. Wasserfasten beruhigt. Trockenfasten heilt.
Und zufällig profitiert genau jene Industrie, die Krebs mit Chemotherapie behandelt. Der Bedeutungswandel eines Wortes schützt ein Geschäftsmodell. Ohne daß jemand den Wandel geplant hätte. Selektionssysteme brauchen keinen Plan. Also nähren wir weiter zu Tode. Bis jemand ein Patent auf Verzicht erfindet.
Trockenfasten erhitzt den Körper von innen. Jede Zelle verbrennt Fett, um Wasser zu gewinnen, und die Wärme bleibt, wo sie entsteht. Milliarden Verbrennungen gleichzeitig. Der Körper wird zu seinem eigenen Fieber. Um den neunten Tag erreicht der Körper die Heilkrise, und es fühlt sich an wie Kollaps. Die Temperatur steigt. Chronische Erkrankungen verschärfen sich, dann erlöschen sie. Die Hitze verbrennt Erreger, Toxine, krankes Gewebe. T-Lymphozyten arbeiten unter erhöhter Temperatur schneller und gezielter. Krebszellen sterben unter diesen Bedingungen.1
Eine Frau kam zu Sergej Filonov mit der Verdachtsdiagnose Nierentumor. Sie trockenfastete unter seiner Aufsicht. Am neunten Tag stieg ihre Körpertemperatur auf vierzig Grad. Sie war, wie Filonov sagt, rot wie eine Tomate. Sie brach das Fasten erst ab, als das Fieber von selbst abklang. Die anschließende Untersuchung fand keinen Tumor.2
Die Ärzte erklärten den Befund mit einer Fehldiagnose. Die bequemere von zwei Möglichkeiten. Die andere wäre gewesen, dass ein Mensch durch neun Tage ohne Wasser einen Tumor verbrannt hat. Und mit ihm den Markt, auf dem er hätte behandelt werden können.
Es ist nicht der einzige Fall. Die Shchennikov-Methode — neun Tage Trockenfasten, staatlich geprüft an zwanzig Patienten mit sechzehn verschiedenen Diagnosen — wurde auch an Lungenkrebs getestet. Über alle sechzehn Diagnosen hinweg besserten sich achtzehn von zwanzig.3
Neunzig Prozent.
Die meisten Patienten kommen zu spät. Wer bereits eine Chemotherapie hinter sich hat, die sein Immunsystem zerstört hat, ist verloren. Das Trockenfasten braucht, was die Chemotherapie vernichtet hat.4
Die schwerste innere Operation, die ein Mensch an sich selbst durchführen kann, braucht einen Körper, der sie überlebt. Die Onkologie zerstört diese Substanz und nennt das Behandlung. Filonov nennt Trockenfasten die beste Prävention onkologischer Erkrankungen. Was die deutsche Medizin als Heilmittel ablehnt, ist als Prävention nicht einmal bekannt.
Francis Carter Wood, Pathologe, schrieb vor hundert Jahren auf, wann Tumore von selbst verschwinden.5 Er nannte drei Kategorien, in absteigender Häufigkeit.
Erstens, nach unvollständiger chirurgischer Entfernung. Zweitens, während akuter fieberhafter Prozesse. Drittens, in Verbindung mit tiefgreifenden Veränderungen des Stoffwechsels.
Wood nennt als Beispiele extreme Kachexie, künstliche Menopause und das Wochenbett. Er hätte auch Trockenfasten nennen können, wenn er es gekannt hätte. Er sah, dass Tumore unter diesen Bedingungen verschwanden, konnte aber die gemeinsame Ursache nicht benennen.
Er wusste nicht, was er sah.
Seine Notizen liegen in einem Archiv. Die Onkologie ignoriert Woods Beobachtung seit hundert Jahren. Sie investiert Milliarden in Medikamente. Die Zustände, unter denen Tumore von selbst verschwinden, spart sie aus.
William B. Coley entwickelte 1891 eine wirksame Krebstherapie. Bakterielle Präparate, die hohes Fieber auslösten. Seine Methode erzielte bei inoperablen Sarkomen Tumorrückbildungen und Fünfjahresüberlebensraten.6
Seine Methode wurde systematisch verschwiegen, lächerlich gemacht und aus den Lehrbüchern entfernt. Seine Tochter Helen Coley Nauts verbrachte ihr Leben damit, die Daten ihres Vaters zu retten. Sie gründete 1953 ein Institut. Das Startkapital kam von Rockefeller. Zweitausend Dollar. Sie hatte keinen medizinischen Abschluss, brachte sich alles selber bei, katalogisierte 896 Fälle ihres Vaters, publizierte 18 Monografien, arbeitete bis zu ihrem Tod 2001 am Institut und wurde 93 Jahre alt.
Achtzig Jahre nach Coleys Tod wurde die Idee unter dem Namen »Immuntherapie« patentiert. Als hätte man sie gerade erfunden.7
Allein Keytruda erzielte 2024 einen Umsatz von 29 Milliarden. Coleys Prinzip, neuer Name. Coleys Tochter erhielt nichts. Die zwei Tausend von Rockefeller waren die profitabelste Investition der Krebsgeschichte. Für alle außer die Investorin.
Gustave L. Rohdenburg dokumentierte 1918 hunderte Fälle spontaner Tumorrückbildungen nach Fieber zwischen 40 und 40,5 Grad. Das Fieber trat typischerweise drei bis fünf Tage vor der eigentlichen Rückbildung auf.8
Die Beobachtung wurde das ganze Jahrhundert hindurch bestätigt. Stephenson und Kollegen werteten 1971 224 Fälle aus. Challis und Stam trugen 1990 741 Fälle zusammen. Hobohm fragte 2005 im British Journal of Cancer, warum die Onkologie diese Befunde ignoriert.9
Die Antwort steht in Coleys Biografie.
Spontane Tumorrückbildungen lassen sich nicht patentieren. Fieber lässt sich nicht patentieren. Trockenfasten lässt sich nicht patentieren. Eine Stoffwechsellage, die der Körper selbst herstellt, ist kein Geschäftsmodell. Coleys Methode verschwand, weil Bestrahlung und Chemotherapie patentierbar waren. Die Onkologie folgte dem Geld.
Die Krebsforschung ist das Produkt einer Auswahllogik, die seit hundert Jahren dieselben Befunde belohnt und andere verschwinden lässt. Drei Kanäle steuern die Auswahl. Wer Geld bekommt. Wer publiziert wird. Was an den medizinischen Fakultäten gelehrt wird.
Alle drei Kanäle gehören seit den 1950ern der Pharmaindustrie. Forschung, die zu nicht patentierbaren Heilmitteln führt, bekommt kein Geld. Studien, die solche Heilmittel untersuchen, werden in den großen Zeitschriften nicht publiziert. Was nicht publiziert wird, wird nicht zitiert. Was nicht zitiert wird, taucht nicht im Curriculum auf. Was nicht im Curriculum steht, lernt der angehende Arzt nicht. Was er nicht gelernt hat, wird er seinen Patienten nicht anbieten. Ein Selektionssystem, das jene Therapien bevorzugt, die jemand bezahlt.
Die Russen haben es seit den 1950ern systematisch erforscht, weil ihr Gesundheitssystem nicht nach Profitkriterien organisiert war. Deshalb behandelt Filonov in Sibirien Krebspatienten, während deutsche Onkologen Keytruda verschreiben.
Dass »Krebs aushungern« naive Vereinfachung sei, widerlegt die deutsche Onkologie selbst. Asparaginase ist seit Jahrzehnten ein zugelassenes Krebsmedikament. Es baut Asparagin im Blut ab. Krebszellen, die Asparagin nicht selbst herstellen können, verhungern. Steht im Lehrbuch.10
Am Max-Planck-Institut in Dortmund entwickeln Forscher Substanzen, die Glukosetransporter in Krebszellen blockieren. Sie setzen Tumorzellen »auf eine radikale Zuckerdiät, sodass sie aushungern und sterben«. Ihre Formulierung, nicht meine.11
Die Referenz ist Otto Warburg. Hundert Jahre alt. Tumorzellen brauchen die zehnfache Zuckermenge einer gesunden Zelle. Das weiß jeder Radiologe. Die Positronen-Emissions-Tomographie macht den Zucker sichtbar. Man nutzt das zur Diagnose.12
In Köln hemmen Forscher den mitochondrialen Stoffwechsel von Krebszellen. Sie hungern sie aus. Das Dogma, Krebs wachse unabhängig vom mitochondrialen Stoffwechsel, ist seitdem widerlegt.13
An der Charité wurde 2013 gezeigt, dass Tumorzellen nach einer Chemotherapie zuckerhungriger sind als vorher. Zuckerhungriger als aktive Tumorzellen. Der Befund steht seit dreizehn Jahren in Nature. Niemand hat den Zucker gestrichen.14
Der Mechanismus ist Konsens. Umstritten ist nur die kostenlose Form. Chromopynone blockieren Glukosetransporter. Trockenfasten entzieht Glukose. POLRMT-Hemmer stören den mitochondrialen Stoffwechsel. Trockenfasten stört den mitochondrialen Stoffwechsel. Asparaginase hungert Krebszellen aus. Trockenfasten hungert Krebszellen aus. Keiner erwähnt das Fasten.
Trockenfasten entzieht Krebszellen die Bedingungen, unter denen sie leben können. Sie sterben, weil ihre metabolische Umgebung verschwindet. Fieber plus tiefgreifende Stoffwechselveränderung gleich Tumorrückbildung. Rohdenburg beobachtete es zufällig. Coley erzeugte es künstlich. Trockenfasten erzeugt es von selbst.



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Redaktioneller Hinweis: Die wissenschaftlichen Aussagen in diesem Text basieren auf begutachteter Fachliteratur. Biografische Passagen sind Erfahrungsbericht, keine Verallgemeinerung. Es bestehen keine Interessenkonflikte. Meinungen sind kein Ersatz für Daten.Eine experimentelle Bestätigung dieses Mechanismus liefert eine Sarkomstudie an 120 weißen Ratten, referiert bei Sergej Ivanovič Filonov, Сухое лечебное голодание: мифы и реальность, Барнаул/Altai 2008.
Die Tiere wurden in vier Gruppen zu je dreißig Tieren aufgeteilt und mit Sarkom injiziert. Die Kontrollgruppe ohne Fasten starb vollständig. Die Gruppe, die drei Tage vor der Injektion trocken fastete, verlor die Hälfte. Die Gruppe, die während der Injektion fastete, verlor ein Drittel. Die Gruppe, die unmittelbar nach der Injektion drei Tage trocken fastete, überlebte vollständig. Alle dreißig Tiere.
Filonov 2008. — Filonov erzählt den Fall in mehreren Vorträgen und Interviews.
Leonid Aleksandrovič Ščennikov, Способ оздоровления организма, патент Российской Федерации № 2021860, 1993.
Staatlich beauftragter Test vor Patenterteilung: sechs Professoren, zwanzig Patienten, sechzehn Diagnosen (Lungenkrebs, Bronchialasthma, Hypertonie, Immunschwäche, Uterusmyom). Zwei Tage Vorbereitung, neun Tage Trockenfasten, drei Tage Ausstieg.
Filonov 2008.
Francis Carter Wood, Notes on Tumors, zit. nach: Herbert M. Shelton, The Hygienic System, Volume III: Fasting and Sun Bathing, Pomeroy 2005, Erstausgabe San Antonio 1934, 42.
William B. Coley, »The treatment of malignant tumors by repeated inoculations of erysipelas: With a report of ten original cases«, in: American Journal of the Medical Sciences, Vol. 105, 1893, 487—511.
Helen C. Nauts, John R. McLaren, »Coley toxins—the first century«, in: Advances in Experimental Medicine and Biology, Vol. 267, 1990, 483—500.
Gustave L. Rohdenburg, »Fluctuations in the growth energy of malignant tumors in man, with especial reference to spontaneous regression«, in: Journal of Cancer Research, Vol. 3, Issue 2, 1918, 193—225.
Uwe Hobohm, »Fever therapy revisited«, in: British Journal of Cancer, Vol. 92, 2005, 421—5.
John D. Broome, »Evidence that the L-asparaginase activity of guinea pig serum is responsible for its antilymphoma effects«, in: Journal of Experimental Medicine, Vol. 118, Issue 1, 01.06.1963, 99—120. — Erste Beschreibung des antileukämischen Wirkmechanismus von L-Asparaginase.
Slava Ziegler, Herbert Waldmann, »Krebszellen aushungern«, Forschungsbericht 2020, Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie, Dortmund.
George Karageorgis, Elena S. Reckzeh, Javier Ceballos, et al., »Chromopynones are pseudo natural product glucose uptake inhibitors targeting glucose transporters GLUT-1 and -3«, in: Nature Chemistry, Vol. 10, Issue 11, 10.09.2018, 1103—11.
Elena S. Reckzeh, George Karageorgis, Melanie Schwalfenberg, et al., »Inhibition of Glucose Transporters and Glutaminase Synergistically Impairs Tumor Cell Growth«, in: Cell Chemical Biology, Vol. 26, Issue 9, 19.09.2019, 1214—28.
Nina A. Bonekamp, Bradley Peter, Hauke S. Hillen, et al., »Small-molecule inhibitors of human mitochondrial DNA transcription«, in: Nature, Vol. 588, Issue 7839, 16.12.2020, 712—6.
Jiri Robert Dörr, Yong Yu, Maja Milanovic, et al., »Synthetic lethal metabolic targeting of cellular senescence in cancer therapy«, in: Nature, Vol. 501, Issue 7467, 14.08.2013, 421—5.





