Descartes hat mehr Menschen getötet als Malaria. Die Trennung des Geistes vom Körper ist ein Massengrab. Seit vierhundert Jahren verrotten Körper, weil ihre Bewohner sie für Möbel halten. Sie glauben, der Körper sei eine Maschine und der Geist ein Mieter. Oder ein Tempel und eine Seele. Oder ein Gefängnis und ein Lichtfunke. Selbsternannte Traumaheiler und Weiblichkeits-Aktivisten — egal welchen Geschlechts — glauben, der Körper sei ein Hindernis und der Geist müsse sich davon befreien. Verschiedene Kostüme, identische Spaltung. Der Körper ist immer das, was man überwindet. Nie das, was man ist. Er geht kaputt. Der Geist schaut zu. Psychopathologie mit Fußnoten.
Denken, Fühlen, Persönlichkeit sind biochemische Vorgänge, das Gehirn ist das Organ. Wer das als Reduktionismus liest, verachtet den Körper, hält ihn für geringer. Reduktionismus ist, den Körper vom Geist zu trennen und dann zu glauben, man könne den einen zerstören, ohne den anderen zu beschädigen. Diese Trennung ist die Krankheit. Der Geist ist Körper bis in die Synapse. Der Körper ist Geist bis in die Zelle. Gedanken wiegen etwas. Körper meinen etwas. Es gibt keinen Kern hinter der Oberfläche. Es gibt kein Innen hinter dem Außen. Es gibt keinen Geist hinter dem Körper. Was innen ist, ist außen. Wenn ich einen Körper sehe, sehe ich seine Gedanken, seine Gefühle. Sie verstecken sich nicht.
Der Körper ist kein Trägermaterial für etwas Höheres. Er ist das Höhere. Wer das nicht versteht, verachtet sich selbst, ohne es zu wissen, hält seinen Leib für etwas Niederes und nennt das dann Spiritualität. Er vergiftet ihn, mästet ihn, betäubt ihn. Dann wundert er sich über den Nebel im Kopf. — Ein adipöser, vergifteter Körper zeigt kein klares Bewusstsein. Er lebt in einem Fleischsack wie in einem Transportmittel, glaubt Charakter unabhängig vom Stoffwechsel, Persönlichkeit unabhängig vom Darm, Seele unabhängig vom Blut.
Dann schluckt er Pillen. Für die Seele, die angeblich nichts mit Chemie zu tun hat.




