Gesund werden durch Ernährung, ohne die Ernährung zu ändern.1
Sie haben gekauft. Sie haben fünf Sterne gegeben, nachdem es nicht funktioniert hat. Sie haben bezahlt, um belogen zu werden. Dann haben sie sich bedankt.
Auf der Amazon-Produktseite hüpft eine erwachsene Frau vor der Kamera, drückt ihr Buch ans Gesicht wie ein Stofftier, grinst mit aufgerissenen Augen, wippt auf und ab. Ein Kleinkind, das seinen Eltern einen Fund präsentiert. Eine Biochemikerin mit Masterabschluss, die sich inszeniert wie eine Vierjährige mit einem glitzernden Stein.
»Ich bin Wissenschaftlerin und habe mich die letzten zehn Jahre mit Ernährung und Gesundheit beschäftigt.«
Auf dem Buchcover steht Biochemikerin. Im Video wird daraus Wissenschaftlerin. Ein Biochemiker untersucht Moleküle, oft im Reagenzglas, manchmal an Mäusen. Er versteht den menschlichen Stoffwechsel so gut wie ein Pathologe das Leben. Aber Wissenschaftlerin klingt nach Autorität. Also tauscht sie das Wort. Titelwäsche.
Dann hüpft sie wieder.
»In diesem Buch verarbeite ich den neuesten Stand der Ernährungsforschung.«
Eine Biochemikerin, die sich Ernährungsforschung aneignet, weil beides mit Zucker zu tun hat.
»Diese Tipps werden euch helfen, eure physischen und psychischen Beschwerden durch Ernährung zu heilen. Und trotzdem könnt ihr noch alles essen, was ihr gerne mögt.«
Körper heilen, Psyche heilen, alles essen. Das ist die Struktur eines Wunders, verpackt als Ratgeber. Drei Millionen haben geklickt. Drei Millionen Gehirne, die beschlossen haben, dass Kalorien verhandeln.
»Ihr lernt in diesem Buch, wie ihr in der richtigen Reihenfolge esst.«
Reihenfolge, sagt sie. Sie meint nicht, wann am Tag man isst. Das wäre tatsächlich relevant. Sie meint, Salat vor dem Steak oder danach. Als wäre der Magen ein Regalsystem.
»Das Buch enthält dreihundert wissenschaftliche Veröffentlichungen…«
Dann rollt sie die Augen nach oben, verzieht das Gesicht zu diesem verlegenen Kinderlächeln, das Oxytocin auslöst und den Verstand betäubt. Dreihundert Quellen auf 336 Seiten. In meinem letzten Buch stehen 507 Quellen auf dreihundert Seiten. Quellen, die etwas belegen. Ihr Buch wurde etwas häufiger gekauft als meins. Der Markt bevorzugt Kindchenschema. Die Augen, das Hüpfen, das Grinsen. »Wissenschaft« ist nur die Ausrede.
»…die ich euch in sehr einfachen Worten erkläre…«
Zehn Jahre Forschung, vorverdaut für Gehirne im Hospiz-Modus. Die Leser müssen nichts ändern. Nicht einmal verstehen. Nur Nicken und kaufen und weitermachen. Die perfekte Ware für Leute, die zu erschöpft sind, um zu denken, und zu süchtig, um aufzuhören.
»…Geschichten von Leuten, die meine Hacks angewandt und deutliche Veränderungen erlebt haben, meine eigene Geschichte und viele Glukosegrafiken.«
Der Körper ist jetzt ein Computerspiel. Man gibt den Cheatcode ein, und die Regeln gelten nicht mehr. Leser glauben, sie haben jetzt das Geheimwissen, das die Dummen nicht haben. Narzissmus als Geschäftsmodell. Und »Hack« heißt: Der Körper ist eine Maschine, und ich bin der Bediener. Wer ihn hacken will, verachtet ihn bereits.
»Das Buch wird auf jeden Fall eure Vorstellung von Ernährung für immer verändern.«
Für immer. Erst alle Krankheiten heilen. Dann ohne Verzicht. Jetzt für immer. Der Gläubige muss nur kaufen. Vierzehn Euro, und das Gehirn wird nie wieder dasselbe sein.
»Es wird euch helfen, gesund zu werden und euch sofort besser zu fühlen.«
Gesund werden für die Kranken. Besser fühlen für alle anderen. Jeder soll auf Kaufen klicken. Dann drückt sie das Buch an die Brust, grinst in die Kamera.
»Ich hoffe, das Buch gefällt euch.«
Sie grinst. Die Augen sind zu groß. Das Buch liegt an ihrer Brust wie ein Amulett gegen die Wirklichkeit. Video endet.
Auf einem Banner steht: »Schluss mit Heißhunger, schlechter Haut und Stimmungstiefs.«
Der Algorithmus weiß, wo es wehtut. Die Suchbegriffe mit dem höchsten Leidensdruck.
Daneben: »Mit Selbsttest und überraschenden Ernährungstipps.«
Selbsttest klingt nach Empirie. Überraschend klingt nach Geheimwissen. Wer kauft, hat den Cheatcode. Wer nicht kauft, spielt ohne. Der Käufer will den unfairen Vorteil. Gewinnen, ohne zu arbeiten. Klick.
Auf einem anderen Banner steht: »Gesund und glücklich leben und trotzdem essen, was man will.«
Derselbe Satz wie im Video. Dort könnte man denken, man hat sich verhört. Beim Banner kann man nicht mehr ausweichen. Der Verlag hat ihn vergrößert und ausgestellt. Heilen durch Essen, ohne das Essen zu ändern. Sie haben gelesen. Sie haben geklickt.
Sie nennt sich »Glucose Goddess«. Das hüpfende Kind mit dem Buch an der Brust hat sich zur Göttin erklärt. Logisch ist das. Wir haben die heilige Schrift. Wir haben die Gemeinde. Wir haben die Gottheit. Stahl hat ein Phantom erfunden.2 Inchauspé hat sich selbst vergöttert. Der Unterschied zwischen Erfindung und Betrug ist der Preis.
Dasselbe Banner zeigt fünf Lebensmittel in einer Reihe. Spinat. Avocado. Steak. Nudeln. Bonbon. Eine Rutschbahn ins Gift. Links das Gemüse, das nährt. In der Mitte rotes Muskelfleisch. Dann Weizennudeln. Der Körper erkennt sie als das, was sie sind. Ganz rechts das Bonbon. Abfall.
Die Göttin erlaubt alles. Auch das, was den Darm zerfrisst. Gerade das. Drei Millionen haben bezahlt, um bleiben zu dürfen, wie sie sind.
Alles davon darfst du. Die Reihenfolge der Bilder entspricht der Reihenfolge, die Inchauspé empfiehlt. Erst das Gemüse, dann das Protein, dann die Kohlenhydrate, dann das Süße.
Dieselbe Strategie bei Stahl und Enders. Die Bücher sind voll mit Grafiken in Kinderschrift. Hüpfen und aufgerissene Augen im Video. Kinderzeichnungen im Buch. Sie zielen auf den Teil des Gehirns, der als Erstes aufgibt: den kritischen.
Käufer sind intelligent genug, um es besser zu wissen. Aber sie sind erschöpft. Nach zehn Stunden Arbeit, zwei Stunden Pendeln, drei Stunden Haushalt bleibt nichts mehr für Skepsis. Skepsis braucht Reserven. Die sind leer.
Der Teller ist das letzte Kontrollterritorium. Wenigstens die Reihenfolge. Auf dem Teller ist Ordnung möglich. Zauberstein gegen die Angst.
Alles bleibt, wie es ist. Nur das Gefühl soll sich ändern. Komplexitätsverweigerung. Sehnsucht nach Tricks. Flucht vor dem Schmerz.
»Trotzdem essen, was man will.« — Übersetzt: Alles bleibt, wie es ist. Der Döner bleibt. Der Zucker bleibt. Das Gift bleibt. Nur das Gefühl wird besser. Das ist die Struktur einer Sucht. Das Gefühl ändert sich. Die Leber nicht. Inchauspé verkauft ein Buch, das funktioniert wie eine Droge. Es berauscht mit der Illusion, etwas getan zu haben.
Der Leser denkt, er habe Kontrolle. Er isst weiter Müll. Das Buch verändert das Gefühl. Die Lage bleibt unverändert. So funktioniert Alkohol. So funktioniert Zucker. So funktioniert der Glukose-Trick.
Giulia Enders hat das Modell 2014 etabliert.3 Kindliche Illustrationen. Verspielte Sprache. Medizin in Häppchen. Stefanie Stahl hat es 2015 perfektioniert. Aquarell-Cover, sanfte Sprache, Psychologie in Häppchen. Eine 36-jährige Biochemikerin hüpft vor der Kamera wie eine Fünfjährige und verkauft drei Millionen Bücher. Eine Therapeutin malt Kinderzeichnungen in ihren Ratgeber und verkauft fünf Millionen.
Seit über einem Jahrzehnt funktioniert das Muster. Menschen regredieren unter Stress. Die Überforderung ist zu groß, die Machtlosigkeit unerträglich, die Angst permanent. Das Gehirn sucht nach dem, was es als Kind beruhigt hat. Große Augen, hohe Stimmen, einfache Bilder.
Aber wer gibt schon zu, dass er wieder Kind sein will. Also bauen sie sich eine neue Kindheit. Kinderzeichnungen. Kuscheltiere. Versprechen ohne Gegenleistung. Sehnsucht überrollt den Verstand. Eine Kinderzeichnung, und alles ist gut.
Gesellschaften funktionieren so nicht. Der öffentliche Diskurs funktioniert so nicht. Wer Realität als Angriff empfindet und Widerspruch als Kränkung, ist kein Gesprächspartner mehr. Ein Kind im Körper eines Erwachsenen, das verlangt, die Welt möge Kindergarten werden. Regression als Massenphänomen. Industriell herbeigeführt. Wenn ein Erwachsener eine Kinderzeichnung sieht, fährt das Bedrohungszentrum herunter. Das ist evolutionär verdrahtet, nicht kulturell erlernt. Verhaltensforschung weiß das seit den 1940ern. Große Augen, runde Formen, Unbeholfenheit. Alles, was nach Kind aussieht, deaktiviert beim Erwachsenen den Verteidigungsmodus.4 Kinder dürfen nicht als Bedrohung wahrgenommen werden, sonst überleben sie nicht. Das sitzt im Stammhirn. Sie kapern diesen Mechanismus. Die Wache ist abgezogen, alles kommt rein. Pseudowissenschaft, Totalversprechen, logischer Widerspruch.
Das Hüpfen, das Grinsen, das Buch an der Brust. Performatives Kindchenschema. Inchauspé steht vor der Kamera wie ein Kind, das sagt, guck mal, was ich gefunden habe. Autorität erzeugt Distanz. Distanz erzeugt Prüfung. Prüfung erzeugt Widerstand. Das Kind aber erzeugt Nähe. Nähe erzeugt Vertrauen. Vertrauen umgeht Prüfung.
Eine ganze Gesellschaft antwortet auf eine spezifische historische Situation. Überforderung ohne Ausweg. Freud beschrieb Regression als Rückfall auf eine frühere Entwicklungsstufe, wenn die Belastung zu groß wird. Das war Individual-Regression. Heute zieht sich eine ganze Gesellschaft in eine infantile Ästhetik zurück.
Die Menschen wissen, dass sie machtlos sind. Aber dieses Wissen ist nicht integrierbar. Es lässt sich nicht in Handlung übersetzen, weil die Probleme zu groß, zu abstrakt und zu systemisch sind. Also wird das Wissen abgespalten. Und in die Leerstelle, die die Abspaltung hinterlässt, strömt die Kinderzeichnung. Die Reihenfolge auf dem Teller ersetzt die Kontrolle über das Leben.
Regression im psychoanalytischen Sinn ist eine vorübergehende Schutzreaktion. Man fällt zurück, erholt sich, kehrt zurück auf die erwachsene Entwicklungsstufe. Die kollektive Regression heute ist dauerhaft, richtet sich ein. Macht es sich komfortabel, kauft Möbel. Bestellt ein Praxisbuch und ein Supplement und einen CGM-Sensor. Sie will nicht zurück auf die erwachsene Stufe, weil die erwachsene Stufe unerträglich geworden ist. Sie verkaufen eine Umgebung, in der man Kind bleiben darf. In der die Grafiken aussehen wie Kinderzeichnungen. In der die Grafiken aussehen wie Kinderzeichnungen. In der die Autorin hüpft und grinst. In der man nichts ändern muss. In der das Wort »Hack« die Illusion erzeugt, man sei schlauer als andere.
Das Buch lädt nur ein, sich darin einzurichten. Die Leute sind schon regrediert, wenn sie die Buchhandlung betreten. Die Kinderzeichnung auf dem Cover bestätigt ihnen nur, hier bist du richtig, hier wird niemand von dir verlangen, erwachsen zu sein. Eine Gesellschaft, die sich kollektiv in die Regression zurückzieht, verliert die Fähigkeit zur Ambiguitätstoleranz. Sie muss jeden Widerspruch sofort auflösen.5 Erwachsenes Denken bedeutet: Ich weiß, dass meine Ernährung mich beeinflusst, und weiß, dass es keinen Trick gibt. Ich habe Angst und bleibe handlungsfähig. Ich weiß, dass die Welt kompliziert ist, und entscheide trotzdem.
Infantiles Denken kann das nicht.
Es braucht eine Antwort, einen Trick, eine Lösung, sofort, total, für immer. Genau das, was auf dem Banner steht. Und eine Gesellschaft, die diese Fähigkeit verliert, wird anfällig für jeden, der die Kinderzeichnung beherrscht. Für Populisten mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Für Ideologen mit Tricks und Hacks und Lösungen. Für Autokraten, die sagen, ihr müsst nichts ändern, ich mache das. Wellness-Bücher und Propaganda infantilisieren auf dieselbe Weise. Sie sagen: Leg dich hin, mach die Augen zu, hier kümmert sich jemand.
Dasselbe passiert, wenn man Inchauspé-Leser mit Studien konfrontiert. Argumente zwingen aus der Regression. Und das erleben sie als Gewalt. Weil ich ihnen die Kinderzeichnung wegnehme. Ich nehme ihnen das Kuscheltier aus der Hand und sage, das ist kein Kuscheltier, das ist ein Lappen mit Knöpfen dran. Und sie reagieren nicht mit Gegenargumenten, sondern waren auf der Ebene des Wohlgefühls. Und deshalb fühlen sie sich angegriffen, obwohl ich Dinge kritisiere, nicht Menschen.
Das ist das Merkmal der infantilen Entwicklungsstufe. Fehlende Differenzierung zwischen Ich und Welt.6 Das Kind unterscheidet nicht zwischen mein Turm ist umgefallen und ich bin umgefallen. Wenn ich den Turm umstoße, stoße ich das Kind um. Wenn ich die These kritisiere, kritisiere ich den Menschen. Inchauspé hat verstanden, wie man Kindern verkauft.
Sie verkauft eine Kindheit, in die man zurückkehren darf, in der jemand hüpft und grinst und sagt, guck mal, was ich Tolles gefunden habe. Und die Erwachsenen strecken die Hände aus und sagen, zeig mir, zeig mir, ich will auch. Sie kaufen das Buch. Lutschen ihr Bonbon. Schauen auf die Kurve. Für einen Moment hat jemand die Kontrolle. Und wenn das Gefühl nachlässt, gibt es ja noch das Praxisbuch. Und dann das Supplement. Und dann den Sensor. Und irgendwann, ganz am Ende der Treppe, ist nur noch Dunkelheit. Denken ist erwachsen.
Und erwachsen will niemand mehr.

Der Intelligenzquotient sinkt seit den Neunzigern, mehrere Punkte pro Jahrzehnt. Der Flynn-Effekt hat sich umgedreht.7 Die Digitalisierung zerstört die Aufmerksamkeitsspanne.8 Die Schulen produzieren Analphabeten mit Abitur. Dazu kommen die Umweltgifte. Blei, Mikroplastik, Pestizide, endokrine Disruptoren. Sie verändern das Nervensystem, das Verhalten.9 Wer vergiftet ist, wird reizbar, impulsiv, kurzsichtig. Wer reizbar, impulsiv und kurzsichtig ist, kauft ein Buch, das verspricht, alle Probleme zu lösen, ohne etwas zu ändern.
Inchauspé verkauft an eine Bevölkerung, die neurologisch nicht mehr in der Lage ist, einen Widerspruch zu erkennen. Drei Viertel der Rezensenten vergaben fünf Sterne. Nach dem Kauf. Vielleicht sogar nach dem Lesen. Und nach dem Ausprobieren. Das Buch hat nicht funktioniert. Es kann nicht funktionieren, weil der Magen keine Reihenfolge kennt und Essig auf vorgeschädigten Schleimhäuten nichts heilt. Die Physiologie erlaubt es nicht. Aber 75 Prozent geben die Höchstnote. Der Käufer liest das Buch. Der Hack funktioniert nicht. Der Käufer bewertet mit fünf Sternen. Gehirne, die so konditioniert sind, dass sie nach dem Betrug noch klatschen. Eine Bevölkerung, die glaubt, was ihr gesagt wird, auch wenn die Realität dagegen spricht. In den Medien erscheint keine Kritik. In der Wissenschaft wird sie ignoriert. Auf Amazon strahlen die Sterne.
Eine Zivilisation, in der ein Verbrechen umso erfolgreicher wird, je offensichtlicher es ist. In der Sichtbarkeit den Betrug verstärkt. In der Dreistigkeit sich auszahlt. In der alle zuschauen und niemand etwas sagt.
Das ist die Inversion aller bekannten Logik. In jeder funktionierenden Gesellschaft gilt: je sichtbarer das Vergehen, desto schneller die Sanktion. Je offensichtlicher der Betrug, desto leichter die Widerlegung. Je dreister die Lüge, desto kürzer ihre Lebensdauer. Bei Inchauspé gilt das Gegenteil. Die Offensichtlichkeit ist die Methode. Die Dreistigkeit ist der Wirkstoff.
Stefanie Stahl operiert im Verborgenen. Man muss die Forschungslage kennen, um den Betrug zu sehen. Giulia Enders operiert im Halbschatten. Die Grundidee stimmt. Die Überdehnung zu sehen erfordert Fachwissen. Inchauspé operiert bei grellem Tageslicht. Alle Krankheiten heilen, ohne irgendetwas zu verändern. Bei Stahl ist es Einbruch bei Nacht. Bei Enders Taschendiebstahl im Gedränge. Bei Inchauspé bewaffneter Raubüberfall am helllichten Tag, auf dem Marktplatz, vor laufenden Kameras, in 43 Sprachen, mit eigenem YouTube-Kanal. Und die Leute filmen es nicht als Beweis.
Und niemand tut etwas. Das Gefühl, das Inchauspé erzeugt — Zugehörigkeit, Kontrolle, Hoffnung — ist stärker als die Evidenz. Das Gefühl hat Vorrang vor der Wahrnehmung. Sie sehen den Widerspruch. Sie wissen, dass es Unsinn ist. Und das Gefühl überschreibt das Sehen. Wahrnehmungsversagen. Bisher kannte man das aus der Psychiatrie. Heute ist es überall.



Ein Buch für Erwachsene:
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Redaktioneller Hinweis: Die wissenschaftlichen Aussagen in diesem Text basieren auf begutachteter Fachliteratur. Biografische Passagen sind Erfahrungsbericht, keine Verallgemeinerung. Es bestehen keine Interessenkonflikte. Meinungen sind kein Ersatz für Daten.Jessie Inchauspé, Glucose Revolution: The Life-Changing Power of Balancing Your Blood Sugar, New York 2022.
Stefanie Stahl, Das Kind in dir muss Heimat finden, München 2015.
Giulia Enders, Darm mit Charme, Berlin 2014.
Konrad Lorenz, »Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung«, in: Zeitschrift für Tierpsychologie, Vol. 5, Issue 2, 1943, 235—409. — Erstbeschreibung des Kindchenschemas (großer Kopf, große Augen, kleine Nase, rundes Gesicht) als angeborener Auslösemechanismus für Fürsorgeverhalten beim Menschen. Grundlagenarbeit der Verhaltensbiologie.
Neuronaler Nachweis: Melanie L. Glocker, Daniel D. Langleben, Kosha Ruparel, et al., »Baby schema modulates the brain reward system in nulliparous women«, in: PNAS, Vol. 106, Issue 22, 18.05.2009, 9115—9. — Kindchenschema aktiviert den Nucleus accumbens, die Schlüsselstruktur des mesocorticolimbischen Belohnungssystems.
Bestätigung der Oxytocin-Modulation: Peter A. Bos, Hannah Spencer, Estrella R. Montoya, »Oxytocin reduces neural activation in response to infant faces in nulliparous young women«, in: Social Cognitive and Affective Neuroscience, Vol. 13, Issue 10, 25.10.2018, 1099—109.
Else Frenkel-Brunswik, »Intolerance of Ambiguity as an Emotional and Perceptual Personality Variable«, in: Journal of Personality, Vol. 18, Issue 1, September 1949, 108—43.
Theodor W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel Levinson, R. Nevitt Sanford, The Authoritarian Personality, New York 1950.
Jean Piaget, La construction du réel chez l’enfant, Neuenburg 1937.
Bernt Bratsberg, Ole Rogeberg, »Flynn effect and its reversal are both environmentally caused«, in: PNAS, Vol. 115, Issue 26, 11.06.2018, 6674—8.
Anhand von drei Jahrzehnten norwegischer Wehrpflichtdaten wird nachgewiesen, dass der IQ-Anstieg sich umgekehrt hat und der Rückgang umweltbedingt ist, nicht genetisch.
Jean M. Twenge, W. Keith Campbell, Ryne A. Sherman, »Declines in vocabulary among American adults within levels of educational attainment, 1974—2016«, in: Intelligence, Vol. 76, 2019, 101377.
Vokabularrückgang bei Erwachsenen über vier Jahrzehnte, kontrolliert für Bildungsniveau.
Philippe Grandjean, Philip J. Landrigan, »Neurobehavioural effects of developmental toxicity«, in: The Lancet Neurology, Vol. 13, Issue 3, 17.02.2014, 330—8.
Identifiziert elf industrielle Chemikalien als entwicklungsneurotoxisch (darunter Blei, Quecksilber, Pestizide, Flammschutzmittel). Die Autoren sprechen von einer »Pandemie der Entwicklungsneurotoxizität« und fordern zurecht eine globale Präventionsstrategie.




