Für Natascha SonnenscheinWenn wir aufhören, das Falsche zu tun, geschieht das Richtige von selbst.
— F. M. Alexander
Der Satz klingt wie eine Binse. Er ist das Gegenteil. Er zerlegt die gesamte Selbstoptimierungsindustrie in einem Atemzug. Nicht das Richtige tun müssen wir lernen. Wir müssen aufhören, störend einzugreifen.
Das Falsche ist kein moralischer Fehler. Es ist das ständige, zwanghafte Einmischen des Egos in alles, was geschieht. Gedanke — Reaktion. Gefühl — Reaktion. Das kostet Kraft. Das versklavt. Und wir tun es trotzdem, weil ein Glaubenssatz in uns arbeitet, der älter ist als wir selbst: Ich muss es kontrollieren.
Allein dieser Gedanke, jetzt sofort etwas tun müssen, um das Problem zu lösen, ist bereits die Störung. Er verspannt das gesamte Nervensystem. Das Falsche nach Alexander ist der neurotische Impuls einzugreifen.
Das heißt nicht, gar nichts zu tun. Reaktives Handeln zum Schutz des eigenen Lebens ist Körperintelligenz, kein Problem. Falsche Einmischung bezieht sich auf den inneren Zustand. Wer Angst hat und sich verpflichtet fühlt, diese Angst wegzubekommen — das ist Einmischung. Wer traurig ist und eine Stimme in sich hört, die sagt »Reiß dich zusammen« — das ist Einmischung. Der Kampf gegen das, was gerade ist. Der innere Bürgerkrieg, den wir ständig führen.
Bei den Samurai heißt dieses Prinzip 無心, mushin — der leere Geist. Ein Zustand frei von Gedanken, Emotionen, Angst, der zu spontanen, perfekten Reaktionen führt. Die Basis ist 無為, Wu Wei: Handeln im Einklang mit dem natürlichen Fluss, ohne Widerstand, wie Wasser, das seinen Weg findet.




